Spezies der Woche #55- Der Gänsegeier

2014 konnte ein Gänsegeier im Großraum Grünstadt mehrere Tage beobachtet werden. Gänsegeier sind mit bis zu 2,70 m Flügelspannweite deutlich größer als Bussarde und schon deswegen sehr auffällig. Nur Adler sind fast genauso groß, zeigen aber ein ganz anderes Flugbild.

Gänsegeier sind Nesthocker und werden von den Eltern vier Monate lang versorgt. Die Jungvögel sind farblich gut zu erkennen. Erst im vierten bis fünften Jahr sind Gänsegeier vollständig durchgefärbt und der Schnabel ist dann weiß. Unverwechselbar sind ihre hellen Kragenfedern und kurzen Schwanzfedern.

Verbreitungsstatus Ausgestorben in Rheinland-Pfalz
Restvorkommen Südfrankreich, Pyrenäen, Kroatien
Letzte Sichtung in Rheinland-Pfalz 2014 bei Weisenheim am Sand
Lebensraum Steppen und Halbwüsten mit Felswänden, vor allem in bergigen Gebieten oder an Steilküsten
Bedrohung Jagd, fehlendes Nahrungsangebot

Die Gänsegeier brüten hoch oben auf Felsen, wo sie weder von Beutegreifern noch von Menschen erreichbar sind. Die Altvögel können ihren relativ schweren Körper an diesen Stellen aufgrund der vorherrschenden Thermikbedingungen besonders energiesparend in die Luft bringen. An den Felswänden heben Aufwinde die Geier schnell auf große Höhen empor, und die Vögel können, ohne mit den Flügeln zu schlagen, weit über die Landschaft segeln. Weil Geier auf diesen Segelflug spezialisiert sind – ihre sehr breiten Flügel sind perfekt daran angepasst – benötigen sie Startplätze mit Aufwinden und haben sich nicht zuletzt deshalb auf die Felsen als Niststandorte spezialisiert.

Farblich sind die Vögel hervorragend an ihre Umgebung angepasst. Sie bewegen sich nur selten, sodass man sie meist nicht einmal dann sieht, wenn man direkt vor der Felswand steht, in der sie sich aufhalten.

Gänsegeier sind Aasfresser sorgen so dafür, dass von verendeten Tieren keine Seuchen ausgehen. Es wurde noch nie beobachtet, dass Gänsegeier Jagd auf lebende Tiere machen.

In früheren Zeiten erstreckte sich das natürliche Verbreitungsgebiet der Gänsegeier über nahezu ganz Mittel- und Südeuropa. In Deutschland gab es Brutplätze entlang des Rheins. Gänsegeier und ihre nahen Verwandten, die Bartgeier, waren bis etwa 1890 primär im bayerischen Teil der Alpen ansässig. Auf Drängen der Viehbesitzer und -hirten wurden die Vögel nach einem Regierungserlass jedoch zum Abschuss freigegeben und innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne vollständig ausgerottet.

Warum sich die Gänsegeier immer weiter nach Mitteleuropa ausbreiten, in Deutschland wurden bereits mehrere, vermutlich ursprünglich aus Spanien stammende Schwärme gesichtet, ist unklar. Ob dies eine Folge des Klimawandels ist oder des Verdrängungswettbewerbs um die Nester oder von beidem, herrscht noch keine wissenschaftliche Einigkeit. Dauerhaft haben sich allerdings keine neuen Gänsegeier angesiedelt.

Durch wachsende Populationen in Südasien, kann der Gänsegeier jedoch möglicherweise bald von der weltweiten Roten Liste gestrichen werden.

Politisch notwendig:

  • Fortgesetzter Diskurs zu Beutegreifern und Weidetierhaltung

Bild: Von Juan Lacruz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24276338

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