Spezies der Woche # 74 – die Hofdame

Die Hofdame ist ein Nachtfalter aus der Familie der Bärenspinner. Ihre langen gefalteten Flügel mit dickem braunem Pelz erinnern an die langen Mäntel mit Pelzkragen mittelalterlicher Adliger. Auch die Raupen der Hofdame sind, wie bei allen Bärenspinnerarten, besonders pelzig. Bei Gefahr rollen sie sich zu einem haarigen Ball zusammen. Wenn das nichts nützt, wechseln sie ihre Taktik: im Vergleich mit anderen Raupen können die Hofdamenraupen erstaunlich flink laufen und sich so in Sicherheit bringen.

Verbreitungsstatus

Vom Aussterben bedroht

Restvorkommen

Sachsen, Schweizer Jura

Letzte Sichtung in Rheinland-Pfalz

1999 Schloßböckelheim

Lebensraum

Kalkmagerrasen, trockene steinige Hänge mit angrenzenden schattigen moosigen Flächen

Gefährdung

Biotopverlust,

Die Raupen der Hofdame sind nicht besonders wählerisch und fressen viele verschiedene Pflanzen wie z. B. Schafgarbe, Habichtskräuter, Wolfsmilch, Witwenblumen und Löwenzahn. Die Falter hingegen nehmen keine Nahrung mehr zu sich, sondern leben nur für die Paarung. Die Männchen leben etwa eine Woche lang, die Weibchen bis zu einem Monat. In dieser Zeit legen sie so viele Eier wie möglich. Tagsüber sitzen sie ruhend im Gras, denn durch die Last der im Körper befindlichen Eier sind sie sehr träge und können schlecht vor Feinden fliehenDie Eierlast ist am zwischen den Flügeln stark durchhängenden Körper gut erkennbarMit fortschreitender Eiablage werden die Tiere immer aktiver. So können sie ihre letzten Eier in größerer Entfernung ablegen, um auch neue Bereiche zu besiedeln. Insgesamt werden etwa 400 bis 500 kleine, weiße, kugelrunde Eier in Paketen zu je 50 bis 100 Stück unterhalb von Blättern abgelegt.

Die Raupen überwintern in am Boden wachsenden Moosen und Flechten, von denen sie sich auch ernähren. Eine große Gefahr ist der im Moos lebende parasitische Pilz Empusa aulicae, der Populationen dezimieren oder sogar ganz auslöschen kann. Die Raupen sind im Frühjahr kurz zu sehen, mit steigenden Temperaturen verkriechen sie sich wieder in die Moosschicht. Nach zwei bis drei Häutungen verpuppen sie sich zwischen dem Pflanzenmaterial.

Die Hofdame ist hinsichtlich Nahrung nicht besonders anspruchsvoll, braucht aber ein spezielles Mosaik von Lebensräumen. Ideal sind ein warmer Magerrasen mit großem angrenzenden Moosbereichen und trockenen Gebüsch, Sandrasen oder Felsen auf engstem Raum, denn die Raupen können keine langen Strecken überbrücken. Diese Kombination gibt ohnehin nur noch selten, und noch seltener sind diese mit anderen Lebensräumen verbunden. Selbst wenn die Hofdame das Falterstadium erreicht, bleiben die Populationen meist isoliert. Leider gehen magere Lebensräume durch Überdüngungen und menschliche Bearbeitung stark zurück und mit ihnen die darauf angewiesenen Hofdamen.

Wer Lust hat weitere, spannende Spezies der Woche kennenzulernen, wird hier fündig.

Bild: Von Christian Pirkl – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69075173