Neue PFAS-Studie: PFAS levels in Europeans. An exploratory study
Stand 1. Oktober 2026 | Jutta Paulus MdEP
Pressebriefing zur Studie
„PFAS levels in Europeans. An exploratory study”
(V.C. Lenters, PhD; Prof. M.B.M. van Duursen, PhD, ERT)
I. ERGEBNISSE
1 von 4 Teilnehmenden (25 %) überschreitet den gesundheitlichen Grenzwert, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die vier langkettigen PFAS (PFOS, PFOA, PFHxS und PFNA) festgelegt hat. Bei 75 % liegen die Werte insgesamt im Bereich dessen, was auch in der Gesamtbevölkerung beobachtet wird.
Unterschiede bei Geschlecht und Alter bei langkettigen PFAS: Bei den Männern überschreitet mehr als 1 von 2 Teilnehmenden (54 %) den Grenzwert. Zudem nimmt die Belastung mit zunehmendem Alter zu – ein Hinweis auf eine Kontamination, die sich über das gesamte Leben hinweg ansammelt.
Niemand ist sicher vor TFA: TFA wurde in 100 % der Proben nachgewiesen, mit einer medianen Konzentration von 21,2 ng/mL, gegenüber 4,6 ng/mL für die Summe der vier langkettigen PFAS (also 4- bis 5-mal höher als die Summe der langkettigen PFAS). TFA allein macht mehr als 80 % der gesamten PFAS-Belastung aus, die im Blut der Teilnehmenden gemessen wurde, und erreicht die höchsten Werte, die jemals beim Menschen festgestellt wurden. TFA ist nicht bioakkumulativ, daher muss davon ausgegangen werden, dass die Belastung mit TFA fortlaufend ist. Die hier gemessenen Werte gehören zu den höchsten, die jemals bei einem Menschen festgestellt wurden. Bei TFA-Werten besteht kein Unterschied zwischen den Geschlechtern oder dem Alter.
II. BEWERTUNG und FORDERUNGEN
PFAS müssen dringend weiter eingedämmt werden: Die Daten zeigen eine flächendeckende und fortlaufende Belastung mit Ewigkeitschemikalien in Europa. Es ist im Alltag fast unmöglich, PFAS aus dem Weg zu gehen.
Statt einzelner PFAS sollten ganze PFAS-Gruppen reguliert und verboten werden können, da Hersteller sonst auf ähnliche PFAS umsteigen. Da aus allen PFAS schlussendlich TFA werden, wird somit auch TFA reduziert. Gerade die TFA-Werte zeigen, dass das Verbot einiger weniger PFAS nicht ausreicht, um die Gesundheit von Bürgerinnen und Bürger zu schützen.
Es braucht ein umfassendes und undifferenziertes PFAS-Verbot. Ausnahmen darf es nur zeitlich begrenzt und in berechtigten, spezifischen Fällen geben.
„Polluter Pays principle“ anwenden: Die Verursacher müssen die Kosten tragen. Die Kosten für die Beseitigung von PFAS aus der Umwelt darf nicht allein den Kommunen oder dem Steuerzahler aufgebürdet werden.
Regulierung von PFAS wirkt: Die Studienergebnisse bestätigen die bestehende wissenschaftliche Evidenz und einen Ursache- und Wirkungszusammenhang zwischen dem Rückgang von PFAS-Leveln in der Bevölkerung und der Regulierung von PFAS. Rückgang der Belastung mit langkettigen PFAS seit 2016/2017 erkennbar.
III. HINTERGRUND
Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) sind eine große Gruppe künstlich hergestellter Chemikalien, die als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden, da sie in der Umwelt nur schwer abgebaut werden. Menschen sind ihr ganzes Leben lang PFAS ausgesetzt. Die größte Exposition gegenüber PFAS erfolgt über Lebensmittel und Trinkwasser. Ein kleinerer Teil stammt aus dem Einatmen der Raumluft und dem Verschlucken von Hausstaub sowie möglicherweise aus Hautkontakt mit PFAS-haltigen Produkten, wie Kosmetika, Kleidung oder Kochgeschirr.
Die meisten verfügbaren Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von PFAS konzentrieren sich auf sogenannte „langkettige PFAS“ wie PFOS, PFOA, PFHxS und PFNA. In den letzten Jahren haben PFAS mit deutlich kürzeren fluorierten Kohlenstoffketten wie TFA und PFPrA an Aufmerksamkeit gewonnen. TFA ist derzeit die in der Umwelt am häufigsten vorkommende PFAS.
Es ist bekannt, dass PFAS in biologische Prozesse im menschlichen Körper eingreifen und hohe Belastungen stehen mit einer Reihe gesundheitlicher Probleme in Verbindung (u.a. geschwächte Immunantwort, erhöhte Cholesterinwerte, Fruchtbarkeitsprobleme, Nieren- und Hodenkrebs).
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen gesundheitsbezogenen Richtwert für die Summe vierer PFAS festgesetzt und eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme von 4,4 ng/kg Körpergewicht (bw)/Woche definiert.
Für ultra-kurzkettige PFAS wie TFA und PFPrA fehlen serumbasierte Richtwerte. TFA ist die häufigste Ewigkeitschemikalie in der Umwelt. TFA ist ein Abbauprodukt langkettiger PFAS, d.h. dass unterschiedliche langkettige PFAS zu TFA zerfallen. TFA ist als reproduktionstoxisch eingestuft, da es Kinder im Mutterleib und die Fruchtbarkeit schädigen kann. Erst im Juli 2026 hat EFSA die akzeptierbare tägliche Aufnahme von TFA von 0,05 auf 0,014 mg/kg bw/Tag gesenkt.
Die vorliegende Studie ist erst die weltweit vierte, die die Belastung mit TFA untersucht (China/USA/Norwegen und eine Studie in Deutschland, die in den kommenden Monaten veröffentlicht wird).
Hier ist die komplette Studie auffindbar: https://www.greens-efa.eu/en/article/study/pfas-levels-in-europeans