Ernüchterndes Hearing mit Kadri Simson: Zukünftige EU-Energie-Kommissarin setzt voll auf Gas

Ernüchterndes Hearing mit Kadri Simson: Zukünftige EU-Energie-Kommissarin setzt voll auf Gas

PRESSEMITTEILUNG, Donnerstag, 3. Oktober 2019 – Brüssel

Zur heutigen Anhörung der designierten Energie-Kommissarin Kadri Simson kommentiert die Europaabgeordnete Jutta Paulus:

„Die Kommissarsanwärterin Simson hat heute keinen guten Eindruck hinterlassen: Floskeln statt Maßnahmen, Kniefall vor den Mitgliedstaaten und deren Begeisterung für Kohle und Atom, Gas als angebliche Brückentechnologie – und wenn es hart auf hart kommt, versteckt sie sich hinter Frans Timmermans als übergeordnetem Kommissar.

Sie hat keine konkreten gesetzlichen Maßnahmen in die Debatte gebracht, mit denen die Energieziele der EU vorangetrieben werden sollen. Stattdessen erklärte sie uns Abgeordneten, dass der Anteil von Gas als Energieträger sich nicht verringern werde, weil Kohle nur mit Gas ersetzt werden könne. Als Zuckerstückchen stellte sie einen möglichen Umstieg auf Wasserstoff, Biogas oder synthetisches Gas in Aussicht – was durch kein realistisches Szenario gedeckt ist.

Mit fehlgeleiteten Investitionen in Gas-Infrastruktur produzieren wir nur „stranded assets“, also verlorene Kosten. Was wir in Europa stattdessen brauchen, sind ambitionierte Investitionen in Energieeffizienz! Deshalb habe ich Frau Simson gefragt, ob sichergestellt wird, dass sich Investitionen der Europäischen Investitionsbank EIB, auch für Infrastruktur, nach dem Prinzip „efficiency first“ richten werden.

Simson stimmte mir zwar zu, dass Investitionen effizient sein und im Einklang mit unseren Klimazielen stehen müssen, allerdings sieht sie Investitionen in Gas und Flüssigerdgas offenbar als unkritisch an.

Das sind besorgniserregende Aussichten – ein Reißen der Klimaziele durch die Hintertür. Die Unterstützung von Flüssigerdgas (LNG) ist sehr problematisch, denn es kommt über die gesamte Lieferkette zu Methanentweichungen von bis zu 10%. Methan verbleibt zwar nur ca. 12 Jahre in der Erdatmosphäre, hat aber über einen Zeitraum von 20 Jahren ein 84-86 Mal höheres Treibhausgaspotential als CO2. Bereits heute ist Methan in der Atmosphäre für ca. 15% des globalen Temperaturanstiegs verantwortlich. Wer angesichts dessen immer noch auf Erdgas setzt, hat den Ernst der Lage nicht verstanden.“

Beitrag erstellt in Energie, Europa, Pressemitteilungen

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