SOER-Bericht 2020, Teil 2/11: Wasser

SOER-Bericht 2020, Teil 2/11: Wasser

Bild: Triftwehr an der Wieslauter: Fotograf: Engelberger

Wasser
Das Süßwasser-Kapitel des SOER-Berichts beschäftig sich vor allem mit dem qualitativen Zustand von Oberflächen-, Trink-und Grundwasser.
Wichtigste Voraussetzung für eine gesamteuropäischen Strategie zum Wasserschutz und Wassermanagement ist eine einheitliche Erfassung der Wasserqualität innerhalb der Mitgliedsstaaten. Dies ist bisher nicht der Fall: im Moment werden 55 verschiedene Methoden parallel genutzt. Dennoch stellt die europäische Umweltagentur fest, dass genügend qualitativ hochwertiges Wasser, selbst zur Wiedervernässung von Feuchtgebieten, zur Verfügung steht. Es handelt sich vielmehr um eine Frage des Wassermanagements- und der Gefahrenabwehr.

Schlüsseltrends und Aussichten

Funktionierende Wasserökosysteme sind wegen ihrer regulierenden Eigenschaft auf das gesamte Ökosystem von elementarer Bedeutung. Funktionierende Wasserökosysteme reinigen das Wasser, sind Kohlenstoffsenke und -speicher, Hochwasserschutz und Lebensraum für viele geschützte Arten.
Entscheidend für die Analyse des Oberflächenwassers ist die Wasserrahmenrichtline, die 2000 in Kraft getreten ist. Diese bewertet 111.000 Wasserkörper in Europa diese nach biologischen, chemischen und hydromorphologischen Qualitätsmerkmalen. Eine Analyse der nationalen Erhebungen im Rahmen der Managementpläne für Gewässer erster und zweiter Ordnung ( Gewässer von erheblicher Bedeutung für die Wasserwirtschaft und Gewässer mit überörtlicher Bedeutung für eine Region) zeigt, dass jeweils 40% der europäischen Oberflächengewässer in einem guten ökologischen Zustand sind. Allerdings zeigen sich innerhalb Europas große Unterschiede. Während in Zentraleuropa eine geringere Anzahl von Gewässern in gutem Zustand sind, schneiden diejenigen in Nordskandinavien, Schottland und einigen östlichen und südöstlichen Gebieten wesentlich besser ab. Insgesamt sind dort 50-70 % aller Gewässer guten oder sehr gutem ökologischem Zustand.

Trend Feuchtegebiete

In ganz Europa gehen Feuchtgebiete verloren. Die meisten Feuchtgebiete befanden sich in Überschwemmungsgebieten, von denen 70-90 % degeneriert sind. Als Konsequenz reduziert sich deren Leistungsfähigkeit im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz, und der gute ökologische Zustand der zugehörigen Flüsse ist ebenfalls in Gefahr. Insbesondere die FFH (Flora-Fauna-Habitat) Gebiete, die Wasserbiotope beinhalten, sind oft in einem schlechten Erhaltungszustand und sind weiter unter Druck. Die Biotopgruppe „Moore, Sümpfe, Marsche“ ist dabei am stärksten betroffen: 75% der Flächen sind in einem „unvorteilhaften“ Zustand. Entsprechend schlecht geht es den darauf angewiesenen Amphibien.

Gefahren und Einflussfaktoren

Der schlechte Erhaltungszustand ist meist mit hydromorphologischen Problemen (40%; Erklärung siehe unten), diffuser Verschmutzung (38%) und übermäßiger Wasserentnahme verbunden. Dabei hängen Grundwasser und Oberflächenwasser stark miteinander zusammen. Wo viel Grundwasser entnommen wird, steigt der Druck auf Feuchtgebiete und Süßwasserökosysteme erheblich. Sind diese Gebiete im Rahmen von Natura 2000 geschützt, sollten die entsprechenden Managementpläne einen guten Zustand sichern. Bei dem meisten europäischen Staaten liegt die Zahl der geschützten Inland-Wasserflächen aber unterhalb des 17%-Ziels der UN-Biodiversitätsstrategie.

Hydromorphologische Gefahren

Hydromorphologische Einflüsse sind Veränderungen eines natürlichen Wasserkörpers in seiner Abflussart und Geschwindigkeit durch z.B. Drainage, Flussbegradigungen und Hafenanlagen. Diese hydromorphologischen Einflüsse sind für 40 % der schlechten Bewertungen verantwortlich. Meist handelt es sich um physikalischen Barrieren wie Dämme und Schleusen. Die Kanalisierung der Flüsse erhöht nicht nur die Fließgeschwindigkeit, sondern es gehen die artenreichen Auen und Gewässerränder verloren .

Wichtig ist hier ein Feuchtgebietemanagement. Oft noch vorhandene Wehre wie an der Wieslauter müssen zur Wiesenwässern wieder regelmäßig und in Einsatz kommen. Hervorragend umgesetzt wird dies unter anderem an den Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim, die zum Weltkulturerbe ernannt wurden.

Generell werden an Flüsse und Überschwemmungsgebiete viele menschliche Ansprüche gestellt. Flüsse müssen navigierbar sein, sie sollen landwirtschaftliche und städtische Flächen bewässern, Häfen bereitstellen, vor Hochwasser schützen, Wasser und Wasserkraft liefern, als Kühlwasser zur Verfügung stehen und der Naherholung und Freizeit dienen. Dahinter muss ihre Funktion als Lebensraum von Fischen sowie von Sediment- und Bodenlebewesen oft zurückstehen. Daher sind sie vielen Eingriffen in die Eigendynamik von Wasserkreisläufen ausgesetzt.

Verursacher von Wandel und Folgen

Wichtig für die Stabilität von Wasserökosystemen ist deren längsseitige und horizontale Durchlässigkeit z.B. entlang der Flüsse zur Ermöglichung von Fischwanderung, horizontal über das Flussufer hinweg zur Filterung von Wasser und Nährstoffen und der Aufnahme von Hochwässern.
Die Wasserverschmutzung ist ein großes Problem mit vielschichtigen Ursachen. Die meisten stehen im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Industrie, Haushalten teilweise durch gezielte Einleitung und aber vor allem durch diffuse Einträge.

In den meisten Mitgliedsstaaten sinkt glücklicherweise die Konzentration der Stoffe mit biologischem Sauerstoffbedarf (BSB), also sauerstoffzehrenden Substanzen, aus industriellen oder kommunalen Einleitungen. Weiterhin gehen industrielle Verschmutzung und Nitratüberschüsse im Abwasser zurück. Trotzdem gehen die Nitratkonzentrationen in Flüssen und Grundwasser wesentlich langsamer zurück als die derzeitigen Einleitungen. Dies liegt meist an diffusen landwirtschaftlichen Verschmutzungen. Die Analyse der europäischen Gewässer zweiter Ordnung zeigt eine Belastung von 18% der Grundwasserkörper mit Nitrat. Die Konzentration beträgt dabei seit 1992 kontant etwa 18 mg/l.

Übrigens wird bei 28 % der deutschen Grundwasserspeicher der Grenzwert von 50mg/l überschritten. Die 1991 erlassene Nitratverordnung wurde erst 1996 in deutsches Recht umgesetzt und schreibt seit diesem Zeitpunkt den Grenzwert von 50mg/l und die Erarbeitung nationaler Aktionsprogramme zur Senkung des Nitratwerts vor. Die Bundesregierung lässt sich mit diesem Thema aber viel Zeit. Teils werden Werte von 200 bis 300 Milligramm pro Liter gemessen, daher erfolgte ein erneutes Klageverfahren der europäischen Kommission gegen die Bundesregierung im Juni 2018.

Weitere Verschmutzung

Im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie werden 33 als prioritär eingestufte wassergefährdende Substanzen regelmäßig analysiert. Die Analyse zeigt, dass eine geringe Anzahl von Stoffen für die größten Schädigungen verantwortlich sind. Insbesondere Quecksilber, PBDE (Polybromierte Diphenylether v.a. Flammschutzmittel) und PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) belasten viele Wasserkörper. Weil diese Stoffe teilweise auch natürlich vorkommen, erhebt nur ein Teil der europäischen Mitgliedsstaaten diese Stoffe im Rahmen ihres Monitorings zur Wasserqualität. Würden diese Stoffe überall zur in Europa zur Bewertung der chemischen Gesundheit der Wasserkörper herangezogen, könnte der „gute chemische Zustand“ nur 3% der Oberflächengewässer attestiert werden.
Allerdings befinden sich auf dieser Liste der prioritären Stoffe vor allem historisch bekannte Gifte. Die ständig neu hergestellten Substanzen des täglichen Gebrauchs werden auf europäischer Ebene nicht beobachtet. Ebenso findet keine Analyse über kumulative Wirkungen mehrerer Stoffe statt.

Fortschritte

Der bereits erfolgte Rückgang der Nitrat und BSB-Konzentrationen ist eine Folge der 1991 eingeführten Richtline für kommunale Abwässer. Seit ihrer Verabschiedung ist der Anteil der an das öffentliche Abwassersystem angeschlossenen Bevölkerung auf 97 % gestiegen. 75% der Abwässer werden mit mindestens drei Reinigungsstufen behandelt. Und auch die Badegewässer weisen zu 95% gute oder sehr gute Wasserqualität auf.
Durch die Düngerichtlinie sind zwischen 2000 und 2015 die Nitratüberschüsse im Wasser um 18% zurückgegangen. Die Verwendung von Dünger bleibt aber auf einem hohen Stand, besonders in den Mitgliedsstaaten mit intensiver Landwirtschaft. Im Gegensatz dazu stieg der Phosphatüberschuss im Gewässer um 14% zwischen 2008 und 2015 .

Heute betreiben die Mitgliedsstaaten eine hohe Anzahl von Nitratmessungen. Flankierend dazu beschloss die europäische Kommission 2018, dass zusätzliche regionale Messungen notwendig sind, um die regionale Veränderung anzustoßen.
Wasserentnahme und sein Einfluss auf Oberflächen und Grundwasser
In Europa werden 243.000 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr verwendet. Davon gelangt etwa 60 % wieder zurück in den natürlichen Kreislauf, wird dabei aber oft verschmutzt. Wasservorräte und -verbrauch sind in Europa sehr ungleich verteilt und entsprechend unterschiedlich sind die Folgeprobleme durch Wasserknappheit. Der Wasserverbrauch erfolgt in vier Hauptbereichen: Haushalte (14%), Industrie und Tagebau (18%), Kühlwasser für Strom und Produktion (28%) und Landwirtschaft (40%.) Dabei wird in Westeuropa Wasser primär für die öffentliche Wasserversorgung, Kühlwasser und Tagebaue genutzt, in Südeuropa und der Türkei vor allem für die Landwirtschaft.

Insgesamt ist in 89% der europäischen Grundwasserkörper genügend Wasser vorhanden. Die Wasserentnahme generell ist zwischen 1990 und 2015 um 19% zurückgegangen. Gemäß der EU Roadmap für ein ressourceneffizientes Europa soll die Wasserentnahme aus Frischwasservorräten maximal 20% der möglichen erneuerbaren Frischwasservorräte betragen. Im Jahrhundertsommer 2015 konnte dieses Ziel in 36 Flüssen bzw. 19% der europäischen Fläche nicht eingehalten werden. Gleichzeitig litten 30% der europäischen Bevölkerung 2015 an Wassermangel.
Die ungleiche Verteilung der Wasserqualität hängt teilweise mit geringen Grundwasservorräten zusammen. Zypern, Malta, Spanien und das Vereinigte Königreich können nur bei 50% der Grundwasserkörper auf eine gute Qualität zurückgreifen. Insbesondere im Großbritannien herrscht aber kein grundsätzlicher Wassermangel. In all diesen Regionen werden generell mehr als 20% der verfügbaren Frischwasserressourcen verbraucht, um das wenige oder schlechte Grundwasser auszugleichen. Klimawandelprognosen gehen von einer Verschärfung des bereits vorherrschenden Trends aus. Trockene Regionen werden trockener, nasse Regionen nasser. Dies erhöht den Druck auf die Wasserentnahme und macht das Wissen und die Organisation um die Verbindung Klima-Wasser-Ökosystem-Landwirtschaft- umso wichtiger für die Zukunft.

Fazit

Der Prozess zur Aufstellung und Begleitung von Flussmanagementplänen brachte ein besseres Verständnis des Zustands der Wasserkörper sowie der Gefahren für eine guten Wasserqualität in Europa und hat weitere Entwicklungen angestoßen. Dieses Wissen ist Grundlage zur Entwicklung weiterer Maßnahmen. Die Analysen ergeben, dass sich die Wasserqualität zunehmend bessert, die bisherigen Ziele aber nicht erreicht wurden.
Eine der großen Erfolge war die Reduktion der Nitratwerte, gefährlicher Chemikalien und der mikrobiellen Verschmutzung der Flüsse, Seen und Ufer als Folge der Implementierung der Abwasserrichtlinie und der Kontrolle der Industrieemissionen und -chemikalien. Dies zeigt sich in der hohen Qualität des Trinkwassers und der Badegewässer.

Bisher reichen die getroffenen Vereinbarungen aber nicht aus, um die diffuse Verschmutzung zu reduzieren. Hierfür ist ein großer sozialer Wandel notwendig. Es beinhaltet die Reduktion der Luftverschmutzung und die Verschmutzung aus vielen kleinen Quellen. Zur Reduktion der diffusen Verschmutzung aus der Landwirtschaft müssen Investitionen auf Bauernhofebene getätigt werden, die teilweise auch mit einer Verringerung der Ackergröße einhergehen. Die anstehende CAP-Reform ist hier dringend gefordert und muss Entwicklungen in diese Richtung einleiten.

Zu bearbeiten bleibt die hohe Zahl an Chemikalien, die auf die europäischen Wasserkörper einwirken. Insbesondere die geringe Anzahl der Stoffe, die überhaupt durch die Wasserrahmenrichtlinie erfasst werden, bereiten Probleme.

Die „EU-Blaupause zur Sicherung der europäischen Wasserressourcen“ ermittelt die unwirksame Nutzung von ökonomischen Instrumenten als einen der entscheidenden Punkte, die eine adäquates Wassermanagement verhindern, heraus. Als Beispiel sei hier die Verteilung der Agrarsubventionen im Rahmen der CAP erwähnt. Bisher gibt es keine ausreichendenden Strategien, um eine sektorenübergreifende Politik des erfolgreichen Wassermanagements zu erreichen.

Beitrag erstellt in Umwelt

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