Chemie - Weniger kann mehr sein

Chemie – Weniger kann mehr sein

Im Bereich der Herstellung von Chemikalien und Arzneimitteln werden häufig Verfahren genutzt, die wenig effizient sind. Damit geht logischerweise ein unnötiger Verbrauch von Energie und Ressourcen einher, der  nicht nötig ist – aber wegen fehlender Anreize sind verschwenderische Verfahren „wirtschaftlich sinnvoll“ – teilweise auf Kosten der Patienten.

Ein Beispiel sind sogenannte „chirale Verbindungen“. Diese Substanzen existieren in zwei Varianten, die sich gleichen wie linke und rechte Hand, aber als Arzneistoff oder Vitamin ist meist nur eine der beiden Varianten wirksam. Bei der klassischen chemischen Synthese entstehen beide Varianten zu gleichen Teilen. In seltenen Fällen werden sie aufwändig getrennt, meist wird aber die ungetrennte Mischung verkauft. In jedem Fall werden 50 % der Ausgangsstoffe und der zur Synthese notwendigen Energie verschwendet. Unter den chiralen Substanzen hat Thalidomid, besser bekannt als Contergan, traurige Berühmtheit erlangt. Hier wirkt die „rechte Hand“ schlaffördernd, die „linke Hand“ verursacht Fehlbildungen bei Embryonen. Nicht ganz so dramatisch ist die Situation bei Metoprolol, einem der meistverwendeten Medikamente gegen Bluthochdruck: hier wirkt zwar nur die „linke Hand“ und damit die Hälfte der eingenommenen Tablette, aber wenigstens richtet die andere Hälfte keinen direkten Schaden an.

Produktionsabläufe

Die chemische Produktion erfolgt oft sehr energieintensiv (hohe Temperaturen, hohe Drücke):  14 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs in Deutschland gehen auf das Konto der chemischen Industrie. Alternative Herstellungsverfahren „rechnen“ sich oft nicht: zum einen, weil die chemische Großindustrie von vielen Kostenbestandteilen des Stroms befreit ist und nur den Börsenpreis zahlt; zum anderen, weil Investitionen in Energieeffizienz nur getätigt werden, wenn sie sich innerhalb weniger Jahre refinanzieren. Dabei gibt es modernere Methoden: Mikroreaktoren sorgen für bessere Energieausnutzung bei geringerem Kühlbedarf und schnellerer Synthese. Biotechnologische Verfahren laufen bei niedrigeren Temperaturen ab. Und in den meisten Betrieben sind noch nicht einmal alle „selbstverständlichen“ Einsparmöglichkeiten ausgeschöpft: es gibt immer noch unnötigen Leerlauf von Förderanlagen, fehlende Nutzung von Prozesswärme und viel zu wenig Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung.

Um hier voranzukommen, reichen Selbstverpflichtungen ganz offensichtlich nicht aus. Energie- und Ressourcenverbrauch können reguliert werden, indem Quoten und Benchmarks für Rohstoffe aus Recyclingverfahren bzw. den Energieverbrauch für bestimmte Prozesse eingeführt werden. Das muss selbstverständlich auch für Importprodukte gelten – denn nichts ist gewonnen, wenn die Verschwendung einfach andernorts erfolgt.

Ein einfacher und sofort umsetzbarer Anreiz zur sparsameren Verwendung von Ressourcen wäre die Aufhebung der Steuerfreiheit von Erdöl für die Chemieindustrie.

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