PRESSEMITTEILUNG: Biozide in europäischen Schutzgebieten

PRESSEMITTEILUNG, Freitag, 26. März 2021 – Kaiserslautern


Biozide in europäischen Schutzgebieten


Zum Start der Pestizid-Ausbringungen in den Feuchtgebieten entlang des Rheins durch die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS) weist Europaabgeordnete Jutta Paulus auf die fragwürdige Prioritätensetzung der Maßnahme hin. 

 

Die KABS lässt in vielen Auen und Feuchtgebieten entlang des Rheins ein bakterielles Toxin (BTI), das Mückenlarven abtötet, per Hubschrauber versprühen. Problematisch ist, dass dabei europäische Schutzgebiete wie Fauna-Flora-Habitatgebiete und international bedeutsame Feuchtgebiete der Ramsar-Konvention behandelt werden.

 

In Rheinland-Pfalz liegen 90 % der mit BTI behandelten Flächen in Naturschutzgebieten. Heikel ist neben den immer noch ungeklärten Folgen des Biozids in den Schutzgebieten der deutliche Rückgang vieler Insekten, die anderen Tierarten als Nahrung dienen. Es kommt nach Studien der Universität Koblenz-Landau zu einem 50%-igen Populationsrückgang auch bei nicht stechenden Zuckmücken. Die immer wieder erfolglosen Wiederansiedlungen von Fischen im Rhein, trotz deutlich verbesserter Wasserwerte, lassen einen Zusammenhang mit fehlender Nahrungsgrundlage vermuten.

 

Bedenklich ist der hohe Druck, der auf Kommunen ausgeübt wird, wenn diese sich aus der KABS-Beteiligung zurückziehen wollen, während, der Landauer Studie zufolge, Befragte in Städten und Gemeinden entlang des Oberrheins mehrheitlich der Ansicht sind, dass der ökologisch schädliche BTI-Einsatz überdacht werden sollte.

 

 

Hierzu kommentiert die grüne Europaabgeordnete Jutta Paulus, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit:

 

„Längst sind alternative Methoden verfügbar, um ohne Stechmücken im Sommer draußen grillen oder Fußball spielen zu können. Die gezielte Bekämpfung und Eindämmung an Sportplatz, Garten oder Terrasse ist genauso effektiv und viel schonender für die Ökosysteme. Eine Behandlung von europäischen Schutzgebieten mit Pestiziden ist inakzeptabel. Die Fortführung der KABS in der jetzigen Form führt die europäischen und internationalen Anstrengungen zum Erhalt von Natur und Umwelt ad absurdum.“

 

 

 

Der Link zur Studie der Universität Koblenz-Landau findet sich hier:

https://www.uni-koblenz-landau.de/de/aktuell/archiv-2019/abschlussberichtbti