Spezies der Woche #61 das Birkhuhn

Das Birkhuhn war einst in kargen Gebieten weit verbreitet und brütet sogar auf Höhen zwischen circa 1500 und 2200 Metern. In Deutschland gibt es noch Populationen in der Rhön, in der Lüneburger Heide, im Bayerischen Wald sowie im Voralpenraum und in den AlpenIhr Bestand ist jedoch stark rückläufig.

 

Verbreitungsstatus ausgestorben in Rheinland-Pfalz
Restvorkommen Lüneburger Heide, Rhön, Bayr. Wald, Voralpen, Alpen ca. 850 – 1.300 Brutpaare
Letzte Sichtung in Rheinland-Pfalz 1994
Lebensraum Höhenlage, Moore, Steppen
Gefährdung Biotopzerschneidung, Moorschäden, Tourismus

Das Birkhuhn gehört zur Unterfamilie der Raufußhühner und zu den schönsten unserer einheimischen Vögel. Es ist etwa so groß wie ein Haushuhn. Während die Weibchen ein braun-beiges Federkleid tragen, mit dem sie hervorragend getarnt sind, fallen die Männchen durch blauschwarz schillernde Färbung auf und tragen an den Flügeln je einen weißen Flecken und einen Streifen. Über den Augen fallen die sogenannten Rosen auf: zwei leuchtend rote Verdickungen, die bei ausgewachsenen Birkhühnern wie zwei buschige rote Augenbrauen aussehen. Insgesamt ähneln Birkhähne den Auerhähnen, sie sind aber deutlich kleiner. Birkhühner sind an ein Leben in rauem Klima angepasst. Ihr Federkleid schützt sie auch gegen grimmige Kälte und bedeckt sogar ihre Beine.

Im März und April ist bei den Birkhühnern Balzzeit. Die Balz ist ein großartiges Schauspiel. Die Birkhähne balzen entweder allein oder in Gruppen von fünf und mehr Tieren. Früher, als es noch viele Birkhühner gab, sollen sogar bis zu 50 Tiere gleichzeitig ihren Balztanz aufgeführt haben. Ziel ist es die Weibchen mit den ungewöhnlichsten Bewegungen und Tönen auf sich aufmerksam zu machen: Sie blasen und zischen, kullern und gurgeln. Manche springen zwischendurch immer wieder bis zu einem Meter hoch in die Luft.

Im Winter legen Birkhühner selbst gegrabene Schneehöhlen an, in denen sie die Nächte, aber auch sehr kalte Tage verbringen, um vor der Kälte geschützt zu sein. Dann verbringen sie bis zu 22 Stunden in dieser Höhle und verlassen sie nur am frühen Morgen, um kurz zu fressen.

Birkhühner sind standorttreue Vögel. Wenn sie einmal ein Revier erobert haben, leben sie dort über viele Jahre. Weil sie karge, abwechslungsreiche Lebensräume mögen, finden sich Birkhühner in Moor– und Heidegebieten, wie in der Rhön. Weil viele Moore trockengelegt wurden, um sie für die Landwirtschaft zu nutzen, finden die Birkhühner bei uns immer weniger geeignete Lebensräume. Nutzungsaufgaben oder -veränderungen von Almen, Störungen durch Menschen und Habitatfragmentierung verkleinern ihren Lebensraum zusätzlich. Im Bayerischen und Oberpfälzer Wald wird durch Habitatoptimierung und Besucherlenkung versucht, die Vernetzung mit der kleinen tschechischen Population zu verbessern und das Birkhuhn langfristig im Bereich des ehemaligen Grenzstreifens wieder zu etablieren.

Der Schutz von Birkhühnern durch das Erteilen von Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss von Beutegreifern in Birkhuhnhabitaten ist kritisch zu sehen. Denn nicht Beutegreifer sind das Hauptproblem, sondern die Verkleinerung und Monotonisierung von Biotopflächen und die menschliche Nutzung.

Politisch notwendig:

  • Weitreichender Erhalt und Vernetzung von Biotopstrukturen inkl. gezielterem Einsatz von Fördergeldern
  • Trennung von Winterhabitaten und Wintersport
  • Definition von umfassenden, überprüfbaren und konkreten Erhaltungszielen in den Natura 2000 Gebieten

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Foto von Steve Garvie from Dunfermline, Fife, Scotland – Black Grouse (Tetrao tetrix) Male, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11461073