Spezies der Woche #127 – Duft-Händelwurz

Er duftet nach Vanille und lebt nur auf extrem kalkreichen Untergründen – das ist eine eindeutige Beschreibung für den Duft-Händelwurz, eine Orchidee, die vor wenigen Jahren noch häufig in Rheinland-Pfalz anzutreffen war. Der letzte bekannte Wuchsort befand sich nahe der französisch/saarländischen Grenze. Heute scheint die Art auch dort verschwunden zu sein.
 Verbreitungsstatus in Rheinland-Pfalz
ausgestorben
Restvorkommen
Bayern, Alpen, Schweden, Baltikum
Letzte Sichtung
in Rheinland-Pfalz
2005 Westpfalz
Lebensraum
Gefährdung
Wechselfeuchte kalkreiche nährstoffarme Wiesen
Entwässerung, Düngung, Stickstoffeintrag durch die Luft
Der Duft-Händelwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 30 Zentimetern. Er bildet zwei handförmig geteilte Knollen, die Blütenhüllblätter sind weiß bis purpurfarben.
Die Blütezeit dauert von Juni bis August. Die Pflanze gedeiht auf kalkhaltigen, ja kalkreichen, aber nur wenig humusdurchsetzten Böden, die zeitweise feucht sein sollten und kommt auch in Mooren vor. Zu Verwechslungen und Hybridpflanzen kommt es mit der Schwesternart, dem Großen Händelwurz. Dieser verträgt allerdings auch saurere Böden und kommt gelegentlich sogar an neu aufgeschütteten Böschungen am Straßenrand vor.
Der Duft-Händelwurz lockt mit seinem vanilleartigen Duft und dem süßem Nektar viele Insekten an. Er besitzt Klebescheiben, die verhindern, dass das Insekt einfach weiterfliegen kann. Beim Versuch, abzuheben, nimmt das Insekt Blütenstaub auf und gibt ihn an die nächsten Blüten weiter. Welche Arten genau für die Bestäubung zuständig sind, ist bisher wenig bekannt. Dickkopffliege, Wanze und Zünsler scheinen beteiligt zu sein. In Baden-Württemberg ist wohl das Widderchen, ein Schmetterling, der Hauptbestäuber. Es nimmt das Pollenpaket am Kopfansatz und am Rüssel auf und trägt sie so weiter.
1846 war der Dufthändelwurz in den Alpen und der Pfalz häufig zu finden1985 wurden in Rheinland-Pfalz noch zwanzig Fundstellen kartiert. Vor allem außerhalb der Alpen gehen die Bestände stark zurück. Im Tiefland ist der Duft-Händelwurz durch Entwässerung und Düngung stark gefährdet, in alpinen Lagen durch zu intensive Beweidung.
Politisch notwendig:
·         Verringerung der Nährstoffeinträge in Wasser und Luft
·         Besserer Schutz von mageren/kalkreichen Standorten durch Schutzstreifen und Wiedervernässung
·         Förderung extensiver Beweidung
 
Bild: Von Joachim Lutz – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50947704