Spezies der Woche #144 – Skadari Näsling

Der Skadari Näsling ist ein Fisch, der ausschließlich im Skadarsee in Albanien und Montenegro lebte. Leider besteht der einzige Hinweis auf seine Existenz in neun Präparaten, die der berühmte österreichische Fischforscher Franz Steindachner Ende des 19. Jahrhunderts ins Wiener Naturhistorische Museum gebracht hat. Erst 1987 hat man sich diese Präparate näher angeschaut und erstmal wissenschaftlich beschrieben. Bedauerlicherweise musste die Fischart bereits 2006 nach intensiver, aber erfolgloser Suche im Skadarsee offiziell als ausgestorben erklärt werden.
 
Verbreitungsstatus in Europa
 
ausgestorben
Restvorkommen
Letzte Sichtung in Europa
unbekannt
Lebensraum
Skadarsee in  Albanien und Montenegro
Gefährdung
Gewässerbebauung, Barrieren, Gewässerverschmutzung
 
Der SkadariNäsling, auch Nase oder Schnabel genannt, gehört zur Familie der Karpfenfische. SkadariNäslinge erreichten eine Standardlänge von 135 mm. Ihr Maul war etwas gebogen, mit einer dünnen, aber gut entwickelten hornigen Schicht an der Unterlippe. Der wissenschaftliche Name Chondrostoma scodrense kann zu Knorpelmund” übersetzt werden. Die Schwanz- und Rückenflossen waren an der Außenlinie etwas gewölbt. Mit ihrem harten Unterkiefer und der scharfen Unterlippe können alle Arten der Familie der Näslinge Algen abweiden.
Die meisten NäslingArten sind extrem bedroht. Die Hauptursache für den Rückgang dieser einstigen Massenfischart ist die Verbauung der Fließgewässer. So werden viele Laichplätze zerstört und die Laichwanderungen verhindert. Außerdem leidet diese Fischgattung sehr unter anthropogener Gewässerverschmutzung.
Der Skadar-See, der Lebensraum des Skadari-Näslings, erstreckt sich über die südliche Landschaft Montenegros bis in den Norden Albaniens. Mit einer Maximalfläche von rund 550 Quadratkilometern bildet der See das größte Süßgewässer der Balkanhalbinsel.
Das Skadar/Shkoder-See-Buna/Bojana-Flusssystem samt seinem adriatischen Mündungsgebiet enthalten eine Fülle wichtiger Ökosysteme mit Süß- und Brackwasser sowie eine Vielzahl von natürlichen und vom Menschen geschaffenen Küstenlebensräumen. Hier finden sich Auenwälder, Süßwassersümpfe, ausgedehnte Schilfgebiete, Sanddünen, Karstformationen, Kalkfelsen, Feuchtwiesen und Teiche. Über 1000 Pflanzenarten konnten in dem Gebiet nachgewiesen werden.
Die Verbindung mit dem Fluss Drin gewährleistet die Wanderung hauptsächlich von Fischarten aus der Adria über den Skadar/Shkoder See zu und von den Ohrid- und Prespa-Seen. Auch der Skadari-Näsling ist zur Laichzeit vermutlich in die Zuflüsse des Sees aufgestiegen. Die durch Bebauung entstandenen Flussbarrieren konnte er nicht mehr überwinden und ist so ausgestorben.
Der montenegrinische Teil des Sees und sein Umland wurden 1983 zum Nationalpark erklärt. Der albanische Teil wurde als verwaltetes Naturreservat ausgewiesen. Im Jahr 1996 wurde der See durch die Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete in die Ramsar-Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung aufgenommen.
Leider hat das dem Skadari-Näsling nicht mehr geholfen.
 
Politisch notwendig:
·       Entfernungen von Flussbarrieren
·       Kleine Wasserkraft nur wenn ökologischer Zustand nicht gefährdet wird
·       Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität
 
Foto: Von Oktoober – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,