Spezies der Woche #147 – Mittelmeer – Mönchsrobbe

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe hat ein hohes Sicherheitsbedürfnis und mag es gern ruhig und friedlich. Seit Menschen mit allerlei Booten und Tauchausrüstung nahezu überall hinkommen und an jedem Strand zu finden sind, ist es mit der Ruhe allerdings vorbei. Um trotzdem ein geschütztes Plätzchen für Geburt und Aufzucht der Robbenbabys zu finden, haben sich die Robben angepasst. Vor 200 Jahren begannen sie, sich für das Familienleben in unzugängliche Unterwasserhöhlen zurückzuziehen. Nur an besonders sicheren Orten kann man Jungtiere am Strand sehen. Das Sicherheitsbedürfnis der Mittelmeer-Mönchsrobben ist sogar so groß, dass die Weibchen ihre Schwangerschaft abbrechen, wenn ihnen ihre Umgebung zu unsicher wird.
 
Verbreitungsstatus in Europa
 
Stark gefährdet
Restvorkommen
Ägäis, um Madeira und im Nordost-Atlantik
Letzte Sichtung in Europa
unbekannt
Lebensraum
Ruhige, küstennahe, warme Gewässer
Gefährdung
Störung, Beifang, gezielte Tötung, Meeresverschmutzung
 
Mönchsrobben kommen in drei verschiedenen Unterarten vor allem in tropischen und subtropischen Meeren vor. Die Mittelmeer-Mönchsrobbe ist aber nicht auf das Mittelmeer beschränkt. Aktuell liegt ihr wichtigster aktueller Lebensraum am Cap Blanc an der Westküste Afrikas in Mauretanien. Innerhalb der EU lebt die größte Population in Griechenland, vor allem um die Insel Gyaros.
MittelmeerMönchsrobben sind etwa 2,4 Meter lang, wobei die Weibchen etwas kürzer sind als die Männchen. Die Männchen wiegen durchschnittlich 320 Kilogramm und die Weibchen 300 Kilogramm und können bis zu 45 Jahre alt werden. Die Jungtiere der Mönchsrobben sind etwa 1 Meter lang und wiegen etwa 15-18 Kilogramm. Ihre Haut ist mit 1-1,5 Zentimeter langen, dunkelbraunen bis schwarzen Haaren bedeckt. Auf dem Bauch befindet sich ein weißer Streifen, der sich bei den beiden Geschlechtern in Farbe und Form unterscheidet. Bei den Weibchen ist der Streifen in der Regel rechteckig, während er bei den Männchen in der Regel schmetterlingsförmig ist. Diese Haare fallen nach sechs bis acht Wochen aus, es wachsen kurze Haare, wie sie auch die erwachsenen Tiere tragen, nach. Erwachsene Tiere mausern sich weiterhin jährlich, sodass ihre Farbe das ganze Jahr über variiert.
Mittelmeer-Mönchsrobben sind tagaktiv und ernähren sich von einer Vielzahl von Fischen und Weichtieren, vor allem von Tintenfischen, Kalmaren und Aalen. Sie fressen bis zu 3 kg Fleisch pro Tag. Die schnellen Schwimmer bevorzugen die Jagd in weiten, offenen Räumen, sind aber auch geschickte Problemlöser. Einige wurden sogar dabei beobachtet, wie sie auf der Suche nach Beute Felsplatten anhoben.
Heute ist es weniger die Jagd, die die scheuen und sich nur langsam vermehrenden Meeressäuger bedroht. Vielmehr werden sie in ihren Lebensräumen durch ausufernden Tourismus gestört. Doch geschützte Strände und Bruthöhlen sind im Mittelmeerraum mittlerweile eine Rarität. Heute dringen Sporttaucher, Touristen und Fischer bis in die abgelegensten Bereiche vor. Das gefährdet zunehmend die Aufzucht der Jungen und nimmt den Tieren ihre wichtigen Ruheplätze. Im Jahr 2008 wurde aber erstmals seit 1945 am Cap Blanc wieder eine Robbe mit Säugling an einem offenen Strand gemeldet, was darauf hindeuten könnte, dass sich die Robbe zunehmend sicher fühlt und hoffentlich zu offenen Stränden zurückkehren.
Im Jahr 2015 lebten schätzungsweise weniger als 700 Individuen in drei oder vier isolierten Teilpopulationen im Mittelmeer, insbesondere in der Ägäis, auf der Insel Madeira und im Gebiet von Cap Blanc im nordöstlichen Atlantik. Die beiden Hauptlebensräume liegen an den äußeren Rändern des Verbreitungsgebiets der Art und sind mehr als 5000 km voneinander entfernt, was einen natürlichen Populationsaustausch zwischen ihnen unmöglich macht. Alle anderen Teilpopulationen bestehen aus weniger als 50 geschlechtsreifen Individuen, viele sind sogar nur lose Gruppen von extrem geringer Größe – oft weniger als fünf Individuen. Sie befinden sich in der südwestlichen Türkei und im Ionischen Meer (beide im östlichen Mittelmeer). Im westlichen Mittelmeer ist die Art praktisch ausgestorben. Es gibt nur noch winzige marokkanische und algerische Populationen sowie seltene Sichtungen von Vagabunden auf den Balearen, Sardinien, Kroatien und Gibralatar. Die Kolonien auf den italienischen Inseln Linosa und Lampedusa wurden von Fischern zerstört, was wahrscheinlich zum lokalen Aussterben führte.
Immer noch verenden Mittelmeer-Mönchsrobben als unabsichtlicher Beifang in Fischernetzen. Nahrungsmangel, Meeresverschmutzung, Krankheiten und Vergiftungen setzen ihnen zusätzlich zu.
 
Politisch notwendig:
·       Meeresschutzgebiete inkl. Küste, in denen Strandbesuch, Fischerei und Tauchen nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt ist.
·       Stabilisierung und Schutz der bestehenden Populationen
·       Renaturierung und Wiederansiedlung in ehemaligen Habitaten
 
Foto: Von Vasilis drosakis – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90701030